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Foto: Spreewald Info

Bräuche im Spreewald

Das ganze Jahr über begleiten Bräuche die Menschen im Spreewald – vom Winterausklang bis zum Herbstfest. Schon im Januar und Februar vertreiben die jungen Frauen und Männer beim Zampern und der wendischen Fastnacht die Geister des Winters, bevor im Frühling Osterfeuer lodern und Kinder beim Eierrollen (Waleien) Fruchtbarkeit wünschen. Am Ostersonntag reiten festlich gekleidete Reiter auf dem Prozessionsritt (Osterreiten) durch die Dörfer, um die Auferstehung Christi zu verkünden. Mit dem Maibaumaufstellen am 30. April erwacht der Mai, während im Sommer die Erntebräuche wie Stollenreiten und das Hahnrupfen (Kokot) die erfolgreiche Feldarbeit feiern. Der Spintebrauchtum, wenn die unverheirateten Mädchen in den Spinnstuben Himmlisches spinnen, bildet den besinnlichen Rahmen vor dem Aschermittwoch. Jeder Brauch folgt einem festen Ablauf, verbindet sorbische Traditionen mit katholischen Riten und macht den Spreewald zu einem lebendigen Brauchtumskosmos. Auf den folgenden Seiten erfährst du mehr zu Hintergründen, Abläufen und Terminen der wichtigsten Bräuche im Jahreslauf. Praktische Hinweise und Tipps helfen dir bei der Teilnahme oder Planung eigener Brauchtumstouren.

Vogelhochzeit

Am 25. Januar verwandeln sich Kita- und Schulhöfe im Spreewald in festliche Hochzeitsgesellschaften: Die Vogelhochzeit ist ein herzlich-humorvoller Brauch, der in den 1970er Jahren aus der Oberlausitz hierher wanderte. Mädchen schlüpfen in bunte Festtagstrachten, Jungen stecken schicke Anzüge mit Hut und Fastnachtsstrauß auf. Sie eilen als Brautpaar von Haus zu Haus, angeführt von einer kleinen Kapelle und begleitet von singenden Gästen in Vogelkostümen. Mit Körbchen „heischen“ sie Naschwerk, Eier und kleine Gaben – wer spendet, dem prophezeien sie Glück fürs neue Jahr. Lehraufzeichnungen in Kitas greifen den Brauch auf, auch das Sorbische Nationalensemble führt begleitend Theaterstücke zum Thema auf. In Oberlausitzer Orten backen Bäckereien eigens die Elster, ein Gebäcksymbol zur Vogelhochzeit. Mehr als Kinderspaß ist die Vogelhochzeit ein lebendiges Erbe: sie pflegt Trachtenhandwerk, fördert Gemeinschaft und holt sorbische Bräuche ins tägliche Leben zurück.

Vogelhochzeit

Zampern

Von Januar bis März ziehen kostümierte Zamperleute durch Dörfer wie Leipe und Lehde, um den Winter auszutreiben: Beim Zampern verkleiden sich vor allem Jugendliche mit Fellen, Masken und fantasievollen Gewändern. Manchmal imitieren sie Störche, Bären oder Mischwesen wie den Erbsbär, um mit lauten Trommeln, Rasseln und Gesang den Frühling herbeizurufen. Begleitet von der Dorfkapelle fordern sie an Haustüren Speck, Eier, Geld und Schnaps – ein Tribut, der sich in ausgelassenen Tänzen und Umzügen im Gasthof bezahlt macht. Historisch gehören die Wurzeln in mittelalterliche Winteraustreibungsriten, die böse Geister vertreiben sollten. Heute weckt das Zampern den Gemeinschaftsgeist: Trachtenpaare mischen sich unter die vermummten Gestalten, und mit dem Fastnachtssträußchen zeigen sich Burschen und Mädchen als Teil der Männer- oder Frauenfastnacht. Abends sorgen Zamperumzüge und Fastnachtstafeln für Stimmung und laden zum Mitmachen ein.

Zampern

Wendische Fastnacht

Nach dem Zampern folgt die wendische Fastnacht, auch Zapust genannt. Dieser festliche Fastnachtstag findet in vielen Spreewalddörfern jeden Januar oder Februar statt und bildet den krönenden Abschluss der Spintezeit. Die ledige Dorfjugend trifft sich in der Gaststätte: Mädchen in bunter Festtagstracht, Burschen in schwarzem Anzug mit Hut und Fastnachtsstrauß. Eine Blaskapelle und ein Fotograf sind stets zur Stelle. Nach einer Eröffnungsrede formieren sich Paare zum Gruppenfoto, dann beginnt der Umzug durch das Dorf. Mit Tänzen an jedem Haus werden die Dorfbewohner besucht, die Gäste bedanken sich mit Schnaps. Eine Woche später rundet der Eierkuchenball das Brauchtum ab: Alle zusammen verzehren die eingezogenen Lebensmittel in einem fröhlichen Tanzabend. Die Fastnacht vertreibt den Winter und stimmt auf die vorösterliche Besinnung ein.

Wendische Fstnacht

Ostersingen

Das Ostersingen gehört zu den ältesten Traditionen rund um Ostern im Spreewald, welches zu den christlichen Festen gehört.

Früher trafen sich die Mädchen aus der Spinnstube in der Nacht am Ostersonnabend, um singend bis zum Sonnenaufgang des ersten Feiertages, also dem Ostersonntag, durch das Dorf zu ziehen. Ihre Lieder verkündeten die Auferstehung Christi. Zu diesem Osterbrauch trugen die Frauen ihre Kirchgangstracht. Bis zu viermal machten die singenden Frauen Halt in den Höfen. Hier gab es zur Stärkung duftenden Kaffee und frischen Kuchen.

Heute wird das traditionelle Ostersingen nicht mehr praktiziert. Mit dem heutigen Ostersingen an Karfreitag und Ostersonntag in den Kirchen wird an das "alte" Ostersingen erinnert.

Ostersingen

Osterfeuer

Das Osterfeuer oder Jatšowny wogeń im Spreewald ist ein uralter Frühlingsbrauch, der am Ostersamstag in mehr als hundert Dörfern wie Müschen, Raddusch und Burg-Kauper lebendig bleibt. Holzstapel, Reisig und Obstbaumverschnitt türmen sich zu hohen Feuerhaufen auf, die von Dorfburschen über Wochen gehütet werden. In der Osternacht entzündet man sie feierlich unter Trommelschlägen und Glockengeläut. Der lodernde Schein soll Wintergeister vertreiben, Feld und Flur fruchtbar machen und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit verkünden. Wer mutig hindurchspringt, sichert sich Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Bereits am Samstag treffen sich Einheimische und Gäste zu Lagerfeuer, Andachten und Gesang, bevor die Flammen um Mitternacht emporzucken. Osterchöre und Kinderreigen um das Feuer runden die stimmungsvolle Zeremonie ab.

Osterfeuer

Osterreiten

Am Ostersonntag zieht das stille Prozessionsreiten, auch Osterreiten genannt, durch die Spreewalddörfer des Zerkwitzer Pfarrsprengels. Festlich in Schwarz-Weiß-Trachten gekleidet, sitzen Reiter und Reiterinnen hoch zu Roß in Frack und Zylinder oder Kragenrock und tragen bunt geschmückte Hoffnungssträuße mit sich. Die etwa 30 Kilometer lange Route führt in gemächlichem Schritt durch Klein Beuchow, Groß Beuchow, Klein Radden, Ragow und Krimnitz zurück nach Zerkwitz. An einzelnen Stationen wird das Evangelium verlesen, Gebete gesprochen und Kirchenlieder angestimmt. Ursprung und Wiederbelebung gehen auf Pfarrer Michael Oelmann zurück, der das Ritual nach der Reformationszeit erneut einführte. Heute ist das Osterreiten nicht nur ein spirituelles Ereignis, sondern zieht Besucher an, die dem Klang von Pferdehufen lauschen. Infos zu Terminen und Mitreitmöglichkeiten erteilt die Tourist-Info Lübbenau.

Osterreiten

Ostersemmel

Jedes Jahr am Ostersonntag oder Ostermontag gingen die Kinder zu ihren Taufpaten, um sich die Ostersemmel nebst 3 Ostereiern, einem Pfefferkuchen, einer kleinen Fastenbrezel und einer Tasse oder einem Tuch zu holen. Ein Osterbrauch, den sich kein Kind entgingen ließ.

Die Ostersemmel in Burg hat eine besondere Form. Sie ist einem Spreewaldkahn ähnlich und ungefähr 40 bis 50 cm lang, 20 cm breit und 2 cm dick. Doch eigentlich symbolisiert sie ein Palmenblatt.

In anderen Spreewalddörfern gibt es zu Ostern ein anderes Gebäck. Die Ostersemmel wird aus drei Teigsträhnen geflochten und symbolisiert so die Heilige Dreifaltigkeit. Es ist eher ein Osterzopf.

Das flache Weizenmehlgebäck aus Burg im Spreewald wurde gewöhnlich schon 8 bis 14 Tage vorher gebacken. Man ließ sie hart werden und stippte sie dann in gesüssten Kaffee oder Milch.

Ostersemmel

Osterwasser

Was ist eigentlich dieses geheimnisvolle Osterwasser?
Noch bis in die 50iger Jahre schöpften Mädchen und Frauen in der Nacht vom Samstag zum Ostersonntag das Osterwasser mit einem Tonkrug aus einem Fließ im Spreewald, das aus östlicher Richtung, also vom Sonnenaufgang her, floss.

Leider kann man diese Tradition zu Ostern im Spreewald nicht mehr beobachten.

Das Osterwasserholen unterschied sich im Spreewald von Ort zu Ort. In manchen Orten holten nicht die jungen und verheirateten Mädchen das Osterwasser, sondern die Mütter. In einem Dorf trugen die Mädchen die einfache, aber bessere Arbeitskleidung. In anderen Dörfern wurde eher eine festliche Tracht getragen. So unterschiedlich wird dieser Osterbrauch begangen.

Osterwasser

Waleien

Beim Waleien (Walkowanje) rollen im Spreewald bunt bemalte Eier über eigens aufgeschüttete Bahnen – ein Fruchtbarkeitszauber, der Kinder und Erwachsene von Ostern an begeistert. Anders als beim klassischen Eierrollen wird keine Grube gegraben, sondern eine Walka aus Feldlehm oder Sand aufgeschüttet, die am hinteren Ende 30–40 cm tief absinkt. Auf dieser abschüssigen Bahn lassen Teilnehmende ihre mit Wachs oder Kratztechnik verzierten Eier gegen Ziele oder gegnerische Eier kullern: Wer trifft, darf das getroffene Ei behalten. Ursprünglich sollte so das Wachstum der Saaten im Frühjahr gefördert werden, heute ist es ein fröhliches Spiel für Familien. In Lübben an der Schlossinsel rufen Gastgeber zum Waleien und locken Besucher mit regionalen Gurkensnacks.

Waleien

Maibaum aufstellen

Am Vorabend des 1. Mai stellen in vielen Spreewalddörfern die jungen Burschen den Maibaum auf – einen entrindeten, 15 bis 20 m hohen Stamm, an dessen Spitze eine frische Birke (Maie) und ein bunter Kranz baumeln. Schon seit Jahrhunderten stiehlt man heimlich den Baumstamm aus dem Wald, damit er als Beschützer des Dorfes gilt und keine bösen Geister im Holz hausen. Mit kräftigen Armen, Stangen und Seilen schieben die Helfer den Baum meterhoch in die Verankerung; umwunden von Girlanden und Bändern, wird er zum Sinnbild für Leben, Fruchtbarkeit und Gemeinschaft. Nach dem Aufstellen tanzt die Jugend in sorbischer Tracht um das glitzernde Holz, begleitet von Blasmusik und Lagerfeuer. In Lübbenau und Burg sorgen regionale Kapellen und Handwerksstände für Maibegleitung und Tanzvergnügen.

Maibaum aufstellen

Kokot

Der sorbische Erntebrauch Kokot (Hahnrupfen) feiert den Abschluss der Getreideernte mit Ritualen rund um den Hahn, der als Symbol der Fruchtbarkeit gilt. In Dörfern wie Dissen und Werben schmücken Jugendliche eine mit Eichenlaub verhangene Pforte, an der zuerst kleine Geschenke und später ein toter Hahn (kokot) aufgehängt wird. Unverheiratete Männer reiten im Galopp hindurch und reißen Kopf oder Flügel des Hahns ab – eine Prüfung von Geschick, Mut und Ausdauer. Der Sieger, der den Kopf erfasst, wird Erntekönig, die Flügelzeichen Erntekönig und Ernteprinz. Heute verwandelt sich das Feld in eine Dorfbühne: Zuschauer in Festtagstracht applaudieren, Kapellen begleiten das Spektakel, und Festzelte bieten regionale Speisen. Kokot ist ein archaisches Erbe, das im Spreewald als Erlebnisfest tief verwurzelt bleibt. Teilnehmer können in manchen Orten selbst am Hahnrupfen teilnehmen.

Kokot

Stollenreiten

Das Stollenreiten ist ein sorbischer Volksbrauch, der im Spreewald traditionell zu Pfingsten oder Erntedank zelebriert wird. Jugendliche reiten ungesattelt über ein abgeerntetes Feld, um in mehreren Läufen die schnellsten Pferde auszumachen. Burschen tragen weiße Hosen und Hemden, Mädchen die festliche Kirchkleidung; in Neu Zauche ist dieser Brauch am ursprünglichsten erhalten. Herrliche, mit Spargelkraut und Blumen geschmückte Stollen dienen als Trophäen für die drei schnellsten Reiter und werden würdevoll überreicht, während Pferd und Reiter mit einem Eichenkranz ausgezeichnet werden. Für die Mädchen gibt es parallel Geschicklichkeitswettbewerbe wie Topfschlagen und Eierlaufen. Das Stollenreiten verbindet sportlichen Wettkampf mit dörflichem Volksfest: Musiker begleiten den Umzug, lokale Gasthäuser servieren Kaffee und Kuchen. Anmeldung für Reiter erfolgt über Heimatvereine.

Stollenreiten

Spinte

Die Spinte, auch Spinnstube genannt, ist ein herbstlicher Versammlungsbrauch der unverheirateten Mädchen im Spreewald. Von Andreastag (30. November) bis Aschermittwoch trafen sich die jungen Frauen abends bei einer Bäuerin, um Garn zu spinnen und Trachtenstickereien anzufertigen. Während das Spinnrad surrte, wurden gedichtet, Volkslieder gesungen und Geschichten vom Nix, der Mittagsfrau oder den Lutkis erzählt. Neben dem Handwerk diente die Spinte als soziales Zentrum: Hier wurden Dorfbräuche besprochen und die Termine für Zampern und Fastnacht festgelegt. Bis zu zehn Abende in Folge galten als Ritual und klangen mit Kaffee, Kuchen und Tanz aus. Heute beleben Freilandmuseum und Gasthöfe Spinteabende, bei denen Gäste selbst Garn spinnen, Trachten knüpfen und in die Lebenswelt ländlicher Mädchen eintauchen.

Spinte

Unterkünfte rechtzeitig buchen

Zu den zahlreichen Bräuchen im Spreewald strömen jedes Jahr Tausende Gäste in die Dörfer – von Zampern und Fastnacht im Winter bis zum Stollenreiten im Herbst. Kein Wunder also, dass Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen früh ausgebucht sind. Am besten planst du deine Reise schon einige Monate im Voraus, um aus einer breiten Auswahl an Unterkünften zu wählen.

Ob kuscheliges Blockbohlenhaus in Lehde, historisches Bauernhaus in Burg-Kauper oder modernes Hotel in Lübben – wer rechtzeitig bucht, sichert sich nicht nur den besten Preis, sondern auch einen Standort in Lauf- oder Paddelentfernung zu den Festplätzen. Viele Gastgeber offerieren attraktive Festtags-Pakete inklusive Frühstück und kleinen Extras wie Laternen für die Nachtumzüge. Tourist-Infos und Online-Portale bieten Übersichten zu freien Zimmern und oft einen besonderen Frühbucher-Rabatt.

Ein Tipp: Wenn du in kleinen Gasthöfen und Privatquartieren absteigst, erlebst du die Bräuche noch authentischer. Also ran an die Kalender und klick dich rechtzeitig durch die Angebote – dann steht deinem sorbischen Fest-Erlebnis ohne Stress nichts mehr im Weg!

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