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Stollenreiten im Spreewald

Jedes Jahr am letzten Sonntag im August erwacht im Spreewald ein ganz besonderes Erntefest: das Stollenreiten. Auf abgeernteten Feldern messen sich Reiter hoch zu Roß im Wettrennen um den „Stollen“ – einen liebevoll gebackenen Butterkuchen, den Mädchen in sorbischer Tracht in Seidentücher hüllen. Den Auftakt bildet ein Erntedankgottesdienst unter freiem Himmel. Anschließend schweift der Blick über die bunt geschmückten Trachtenpaare bei Reigen- und Bändertänzen, bevor es vom Scheunenhof in die Felder geht.

Im gleißenden Nachmittagslicht traben Pferde und Reiter auf die Ziellinie zu: Die drei Schnellsten dürfen stolz ihren Stollen sowie einen Kranz aus Eichenlaub entgegennehmen. Am Abend klingt das Fest bei einem zünftigen Tanzabend aus, bei dem Dorfbewohner und Gäste unter Blasmusik im Festzelt zusammenkommen.

Das Stollenreiten verbindet sportlichen Ehrgeiz, sorbische Trachtenpracht und dörfliche Gastfreundschaft zu einem unvergleichlichen Spreewald-Erlebnis.

Geschichte und Bedeutung

Das Stollenreiten gehört zu den ältesten Erntebräuchen der Niederlausitz und feiert die Dankbarkeit für die Gaben des Feldes.

Der Name leitet sich vom Preis ab: Ein reich verzierter „Stollen“ – ein süßer Hefekuchen mit Butter, Zucker und Mandeln – symbolisiert Fülle und Fruchtbarkeit der Ernte, wird von sorbischen Mädchen gebacken und in edles Seidenpapier gehüllt. Frühestens im 19. Jahrhundert finden sich schriftliche Hinweise auf das Wettrennen als Höhepunkt der Erntefeste, als dörfliche Gemeinschaften ihre besten Reiter herausforderten. Heute erinnert das Stollenreiten an jene Zeit, in der Ackerbau und Viehzucht das Leben prägten und Feste eng mit dem Kirchenjahr verbunden waren. Durch die jährliche Wiederholung lebt sorbische Identität weiter und stärkt die Verbindung zwischen Natur, Brauchtum und Gemeinschaft.

Ablauf und Höhepunkte

Der Tag startet mit dem gemeinsamen Gottesdienst auf der Dorfwiese. Danach folgt ein Umzug in sorbischen Trachten, bei dem Paare traditionelle Reigen- und Bändertänze vorführen. Am frühen Nachmittag öffnet sich das Reiterfeld: Die Startlinie wird markiert, Pferde gesattelt und die ersten Reiter galoppieren an, um Kopf-an-Kopf um den Stollen zu kämpfen. Zuschauer säumen die Bahn, feuern an und genießen regionale Spezialitäten wie frische Spreewaldgurken und Apfelschmarren. Nach den Rennen werden Stollen und Eichenkränze an die drei besten Reiter überreicht.

Wenn die Sonne sinkt, sammeln sich alle im Festzelt zum Tanzabend mit Live-Blasmusik. Hier mischen sich Generationen, Trachten leuchten im Lichterglanz, und mit jedem Walzer erklingt ein modernes Echo alter Erntebräuche. So endet der Tag im Spreewald – im Rhythmus von Gemeinschaft und Natur.