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Zampern im Spreewald
Zwischen Januar und März erklingt im Spreewald das laute Klappern der Zamperlieder: Beim Zampern ziehen bunt kostümierte Einheimische mit Kapelle an der Spitze von Hof zu Hof. Junge und Alte, organisiert von Trachten- oder Heimatvereinen, treiben den Winter aus, indem sie an den Haustüren Eier, Speck, Geld und Schnaps erbitten. Für die Gaben spielen Musiker ein Ständchen, Hausherrin und Hausherr tanzen mit den Zamperleuten, ehe die gespendeten Eier und der Speck am Abend gemeinsam zubereitet und verspeist werden und das Geld den Kapellen zugutekommt. Historisch geht das Zampern auf vorchristliche Fruchtbarkeitsrituale zurück, doch heute ist es fester Bestandteil der wendischen Fastnacht (Zapust) und stärkt den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Wer sich als Zuschauer einbringt, lauscht den Rasseln, Rufen und Ziehharmonika-Klängen, die in Lehde, Raddusch, Burg-Kauper und weiteren Dörfern zu hören sind. Teilnehmende basteln Rasseln, Masken und Trachten meist selbst und sind herzlich eingeladen, Teil des winterlichen Brauches zu werden.
Geschichte und Bedeutung
Die Wurzeln des Zamperns reichen bis in vorchristliche Winteraustreibungsriten zurück, bei denen Lärm und Verkleidung böse Geister fernhalten sollten. Im Spreewald übernahm man diese Bräuche, integrierte christliche Elemente und nannte sie Zampern – den ersten Akt der wendischen Fastnacht.
Bereits im Mittelalter dokumentierten Chronisten, wie sorbische Dörfer mit Trommeln und Schellen durch die Straßen zogen, um die dunkelste Jahreszeit zu vertreiben. Das Wort leitet sich vom niederdeutschen „zampere“ für lärmen ab. Im Zuge der sorbischen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wurden Trachten, Lieder und Tanzformen standardisiert – örtliche Trachtenvereine legten Zapust-Termine fest. Seit 1990 pflegen Heimatvereine das Zampern als Tradition, die Generationen verbindet. Heute haben Dörfer wie Burg, Leipe und Lehde eigene Zamperkomitees, die Ablauf, Musik und Kostüme koordinieren und regionale Besonderheiten wie kunstvoll verzierte Rasseln bewahren. Zampern symbolisiert so die enge Verflechtung von Gemeinschaft, Kultur und Natur im Spreewald und steht für den Übergang von Dunkelheit zu Licht. Es ist damit ein Schlüssel zum sorbischen Jahreslauf und Gemeinschaftserlebnis.
Ablauf und Mitmachen
Das Zampern beginnt in vielen Dörfern ein bis zwei Wochen vor dem Fastnachtsumzug. Schon am Vormittag sammeln sich die Zamperleute (Zamperakis) – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – an einem festgelegten Treffpunkt, oft organisiert durch den Heimatverein. Ausgerüstet mit Trommeln, Rasseln und Kostümen, ziehen sie in Gruppen von zehn bis zwanzig Personen los. An jeder Hofeinfahrt stellen sie sich mit ihrem Kiepenträger auf, der eine Geldkasse und eine Kiepe (Korb) trägt. Mit Gesang und Trommelwirbel fordern sie Eier, Speck und Schnaps ein, die Hausherr und Hausherrin gerne überreichen, um Böses zu vertreiben. Die gesammelten Eier und der Speck werden später beim gemeinsamen Zampermahl zubereitet und verspeist; das Geld finanziert traditionell die Musikkapelle. Auch Neugierige dürfen mitmachen: Wer verkleidet erscheint, erhält eine kurze Einführung vor Ort. Nach mehreren Stunden endet das Zampern am Dorfplatz mit einem Tanz, bei dem die Hausherren ihr Dankeschön tanzen. Wer als Zuschauer kommt, sollte festes Schuhwerk, warme Kleidung und Hunger mitbringen – das Zampern ist ein lebendiges Gemeinschaftserlebnis.