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Foto: Spreewald Info

Wie der Spreewald entstand

Mit seinen verwobenen Fließen, sattgrünen Auen und geheimnisvollen Mooren ist der Spreewald eine der faszinierendsten Naturlandschaften Mitteleuropas. Seine Ursprünge liegen in der letzten Weichsel-Eiszeit, als vor rund 15 000 Jahren mächtige Gletscher Moränen aufhäuften und das Baruther Urstromtal formten. Beim Abfluss des Schmelzwassers entstand ein weitverzweigtes Delta mit hunderten von Flussarmen, deren Ablagerungen kleine Sandinseln – die Kaupen – aufwarfen . Heute erstreckt sich auf 75 km Länge und 16 km Breite ein fast vollständig vom Wasser geprägtes Gelände, in dem sich über 970 km Fließe durch Moorböden und Aueleme schlängeln . Rund 300 Kilometer dieser Wasserwege sind schiffbar und ermöglichen Kahnfahrten, Paddel-Touren und Boots­sport gleichermaßen . Seit 1991 gleicht die UNESCO-Biosphärenreservats-Auszeichnung des 475 km² großen Kerngebiets einem Qualitätssiegel für den Schutz der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt . Die folgenden Abschnitte beleuchten geologische Abläufe, Moorbildung und menschliche Eingriffe in drei Phasen.

Eiszeitliche Prägung des Spreewalds

Vor etwa 15 000 Jahren erreichte der skandinavische Inlandeis-Gletscher während der Weichsel-Eiszeit seinen südlichen Vorstoß im Raum der heutigen Lieberoser Endmoräne und Krausnicker Berge. Diese Grund- und Endmoränenzüge legten den Untergrund frei, als sie sich zurückzogen . Das abschmelzende Eis spülte immense Wassermengen und hinterließ im Baruther Urstromtal tonnenweise Sand, Kies und Geschiebematerial. Mit nur 7 Metern Gefälle auf 34 Kilometern konnte die Spree nicht tief ins feste Gestein einschneiden, sondern verzweigte sich an der Oberfläche in hunderte Fließarme . Diese anastomosierende Flussstruktur, fachsprachlich als Binnendelta bezeichnet, prägte das Grundgerüst des Spreewald-Labyrinths . Begleitend kam es in den Überschwemmungszonen zu ausgedehnten Moorbildungen: In den senkrecht überschwemmten Aueflächen verlandeten abgestorbene Pflanzenteile, es entstand der typische Auelehm, genannt Klocks. Diese eiszeitliche Prägung schuf die Basis für ein einzigartiges Ökosystem, dessen Wasserläufe, Kiesbänke und Moorflächen bis heute das Erscheinungsbild bestimmen und Heimat von mehr als 18 000 Tier- und Pflanzenarten sind.

Moorbildung und Auelehme

Die wiederkehrenden Überschwemmungen verlandeter Aueflächen förderten die Torfbildung: In Bereichen mit stauender Feuchtigkeit sanken abgestorbene Pflanzenreste zu Boden und bildeten mit der Zeit mächtige Torfschichten. Diese sogenannten Auelehme, im Spreewald „Klocks“ genannt, können heute bis zu fünf Meter mächtig sein . Moorböden prägen rund ein Drittel der Landschaft und bieten Lebensräume für spezialisierte Arten wie Moosbeeren, Torfmoose und Moorlibellen. Gleichzeitig wirken die Klocks als natürliche Wasserspeicher: Sie puffern Hochwasser ab und geben Feuchtigkeit in trockenen Perioden langsam wieder frei. Während des Holozäns setzten in höheren Lagen anthropogene Rodungen ein, wodurch sich die hydrologischen Bedingungen wandelten . Ab dem 17. Jahrhundert errichteten Bewohner Stauanlagen, um Felder vor Überflutung zu schützen, was den Wasserhaushalt weiter regulierte. Heute dienen die Klocks nicht nur der Ökologie, sondern sind auch Ausgangspunkt für Moor- und Erlebnispfade, auf denen Besucher das Zusammenspiel von Wasser und Boden erleben können.

Menschliche Eingriffe und heutige Nutzung

Nachdem die Naturlandschaft des Spreewalds vom Wasser geformt wurde, begannen die ersten menschlichen Eingriffe in der Bronzezeit (um 1400 v. Chr.) mit ersten Rodungen, die jedoch durch Vernässung schnell wieder aufgeforstet wurden . Ab dem 11. Jahrhundert intensivierte die deutsche Kolonisation die Nutzung: Neue Siedlungen an höher gelegenen Uferzonen entstanden, Mühlen im 12. und 13. Jahrhundert regelten mit Stauanlagen den Wasserstand und formten das Gebiet weiter . Im 17. Jahrhundert legten Siedler Streusiedlungen auf den Kaupen an und gruben Entwässerungsgräben, um Felder zu gewinnen. Zwischen 1933 und 1938 erfolgte die Einpolderung südlicher und nördlicher Randgebiete, die bis heute Ackerland bieten. Auch in der DDR-Zeit wurden Meliorationsmaßnahmen vorangetrieben, die den Wasserhaushalt veränderten . 1991 erhielt der Spreewald den UNESCO-Biosphärenreservatsstatus und setzt seitdem auf naturnahe Besucherlenkung, Gewässerrandstreifenprojekte zur Stabilisierung des Wasserhaushalts und den Schutz von Flora und Fauna. Heute ermöglichen über 300 Kilometer befahrbarer Fließe sanften Wassertourismus und dienen als Rückgrat der regionalen Kulturlandschaft.